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22.06.2016, Luxemburg, RTL Group

Am 22. Juni 2016 stellte die RTL Group ihre neue Tagline und ihr neues Mission Statement vor. Im Interview sprechen die beiden Co-CEOs der RTL Group, Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch, über die Gründe für die Neupositionierung.

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Warum braucht die RTL Group ein neues Mission Statement, also ein neues Leitbild?

Guillaume de Posch: Sagen wir es ganz offen: seitdem Anke und ich vor vier Jahren als Co-CEOs die Führung der RTL Group übernommen haben, war es nicht unsere erste Priorität ein neues Leitbild zu verfassen. Doch kürzlich sahen wir dann beide in einer Präsentation das alte Mission Statement – und unabhängig voneinander hatten wir beide die gleiche Reaktion: „Wir sollten ein neues Leitbild haben!“ Das alte Mission Statement war zweifellos die richtige Beschreibung dessen, was vor 10 Jahren im Fokus der Unternehmensstrategie stand – und das war vor allem die weitere geographische Expansion im TV-Sendergeschäft. Aber gerade in unserem Geschäft ändert sich in einem Jahrzehnt sehr viel. Daher haben wir beide entschieden, dass das neue Mission Statement der RTL Group ausdrücken sollte, wo wir heute stehen und was wir in der Zukunft erreichen wollen.

Die beiden Co-CEOs der RTL Group, Guillaume de Posch und Anke Schäferkordt

Das alte Mission Statement war also nicht mehr passend für die RTL Group von heute?

Anke Schäferkordt: Unsere Unternehmensgruppe hat sich stark verändert. Vor fünf Jahren hatten wir 1,9 Milliarden Onlinevideoabrufe innerhalb eines Jahres erzielt. Heute liegt dieser Wert bei 19 Milliarden Abrufen – und zwar pro Monat. Wie Sie sich vorstellen können, ist auch unser Digitalumsatz stark angestiegen, und zwar von rund 150 Millionen Euro im Jahr 2011 auf mehr als 500 Millionen Euro im Jahr 2015. In dem gleichen Zeitraum haben wir das Portfolio unserer linearen TV-Sender von 45 auf 59 erhöht und signifikant in neue Produktionsfirmen und in Partnerschaften mit kreativen Talenten investiert. Kurzum, wir wandeln einen führenden europäischen Unterhaltungskonzern in ein weltweit führendes Unternehmen für die Produktion, Aggregation und Monetarisierung von professionell produzierten Bewegtbildern. Aber es ist nicht die Zeit, um sich auf dem Erreichten auszuruhen. Angesichts des kontinuierlich zunehmenden Wettbewerbs im Total-Video-Markt müssen wir den Schwung aus unserer positiven Geschäftsentwicklung und unsere Finanzkraft ausnutzen. Nur so werden wir die nächsten Kapitel in der Erfolgsgeschichte der RTL Group schreiben. Und genau diese Ambition soll das neue Mission Statement zum Ausdruck bringen.

Aber was ist der Sinn und Zweck eines solchen Leitbildes? Oder hat man es einfach, weil es zum guten Ton gehört?

Anke Schäferkordt: Keine Sorge, wir erwarten sicherlich nicht, dass nun alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Morgen ihren Arbeitstag mit der Lektüre des Mission Statements beginnen! Und doch ist es wichtig für ein Unternehmen, ein Leitbild zu haben, dass verbindende Prinzipien und Werte formuliert, gerade in einem dezentral organisierten Haus. Darüber hinaus ist das neue Mission Statement ein Element unserer internen und externen Kommunikation. So ist es uns zum Beispiel sehr wichtig, Umfelder zu schaffen, in denen unsere kreativen Talente und Führungskräfte die Freiheiten haben, Neues auszuprobieren. Der berühmte RTL-Pioniergeist hat vor 30 Jahren die etablierte Welt der öffentlich-rechtlichen Sender aufgewirbelt – und diesen besonderen Spirit wollen wir wieder stärker beleben. Heute zählen wir zu den Etablierten, und oftmals sind wir heute eher in der Verteidigungs- als in der Angriffsposition. Um weiterhin Innovationsführer in unserem Geschäft zu bleiben, müssen wir bildlich gesprochen hungrig bleiben. Denn aus diesem gesunden Hunger entstehen die Erfolge von morgen – der nächste große Programmhit, die nächste Enthüllungsstory, die nächste Akquisition. Und so fängt das neue Mission Statement mit folgendem Satz an: „We are innovators who shape the media world across broadcast, content, digital.“ Das ist zweifellos eine ambitionierte Aussage. Aber gerade angesichts unserer reichen, überaus erfolgreichen Geschichte trifft sie zu und soll auch in Zukunft gelten.

Die Ergänzung um das Wort „digital“ war dabei besonders wichtig?

Guillaume de Posch: Die Internet- und Technologie-Giganten dieser Welt – nehmen Sie Google, Facebook, Amazon – investieren allesamt massiv in das Videogeschäft. In diesem Wettbewerb brauchen wir wirklich gut koordinierte Antworten und dies bedeutet auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen unseren operativen Geschäften. Natürlich wollen wir nicht unsere aktuelle dezentrale Organisation aufgeben, die ja stark auf den Besonderheiten der jeweiligen nationalen Märkte beruht. Letztlich ist unsere Expertise in den lokalen Märkten gekoppelt mit unserer internationalen Präsenz eine unserer größten Stärken. Aber in Zukunft könnten wir auch Experten-Teams aus verschiedenen Geschäften und Ländern bilden. Diese Teams könnten zum Beispiel an neuen Akquisitionen im Digitalbereich arbeiten, um unsere Stärken und unseren Erfahrungsschatz voll auszuspielen. Eins ist sicher: wir werden unsere Anstrengungen für stärkere Zusammenarbeit stetig fortsetzen und ausbauen, denn nur so erzielen wir kontinuierliche Verbesserungen und Innovationen.

Gibt es dafür ein konkretes Beispiel?

Anke Schäferkordt: Die Entwicklung des neuen Mission Statements ist ein sehr gutes Beispiel. Es wurde von einer international besetzten Arbeitsgruppe entworfen, mit Kolleginnen und Kollegen aus dem TV-, Radio- und Produktionsgeschäft, aus dem Corporate Centre sowie aus den neu akquirierten Digitaleinheiten. Die Verfasser aus Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Großbritannien und den Vereinigten Staaten sprachen zudem mit Kolleginnen und Kollegen in ihren lokalen Einheiten, aus verschiedenen Management-Ebenen und Abteilungen. Dabei ging es um grundsätzliche Fragen, die für die Entwicklung eines neuen Leitbildes relevant sind: „Was macht die RTL Group einzigartig?“ Oder: „Welchem Zweck dienen unsere Geschäfte?“ Mit diesem breiten Ansatz war es möglich, ein neues Mission Statement zu entwerfen, das für den Gesamtkonzern RTL Group mit seiner Internationalität und Vielfalt gilt.

In dem neuen Mission Statement scheinen die Worte „Vielfalt“ (diversity) und „Unabhängigkeit“ (independence) eine besonders große Rolle zu spielen. Sind dies unsere Grundwerte?

Anke Schäferkordt: Natürlich haben wir auch das Thema Grundwerte diskutiert und dabei bekräftigt, dass die Bertelsmann Essentials – Partnerschaft, Unternehmergeist, Kreativität, gesellschaftliche Verantwortung – allesamt auch für die RTL Group gelten. Daher fokussiert das neue Mission Statement auf jene Werte, die darüber hinaus spieziell für die RTL Group entscheidend sind. Redaktionelle und journalistische Unabhängigkeit ist zum Beispiel in all unseren Nachrichtenredaktionen fest verankert. Die Unternehmensführung mischt sich nicht ein in die unabhängigen Entscheidungen unserer Redakteure. Wir wollen wirklich unabhängige Köpfe und Gestalter für unser Unternehmen gewinnen, also jene Pioniere, über die ich schon gesprochen habe. Das gelingt nur, wenn unsere Teams vielfältig besetzt sind und wir Talente mit unterschiedlichen Bildungswegen und Lebensläufen rekrutieren. Wir suchen Leute, die eine große Leidenschaft für ihre Ideen haben und für die Geschichten, die sie erzählen wollen.

Vielfalt bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist damit eine Voraussetzung für möglichst vielfältige Geschäftsideen und -modelle?

Guillaume de Posch: So ist es. Die RTL Group ist ja praktisch ein Synonym für das Wort Vielfalt: wir bieten beinahe alles – von kostenlosen, werbefinanzierten Angeboten bis hin zu Bezahldiensten; von großen Flaggschiffsendern für ein Massenpublikum bis hin zu Nischenmarken für sehr kleine Zielgruppen; von großen fiktionalen Produktionen bis hin zu kurzen YouTube-Clips; vom klassischen Werbezeitenverkauf bis zum technologiegetriebenen, automatisierten Verkauf von Onlinevideowerbung. All das in einem Konzern, das ist schon einzigartig! Ein Blick auf die vergangenen 90 Jahre zeigt zudem, bei welch großen Weichenstellungen unser Unternehmen eine wichtige Rolle gespielt hat. Wir waren Pioniere bei der Einführung des privaten Radios und Fernsehens in Europa. Dann haben wir die Strategie der Senderfamilien definiert und haben mit „RTL“ die erste pan-europäische Medienmarke aufgebaut. Der Erfolg von American Idol ist sehr eng mit FremantleMedia verbunden. Zu dieser Show sagte Präsident Obama kürzlich, sie habe das Fernsehen „transformiert“ und zudem viele junge Amerikaner dazu inspiriert, zu wählen. In den vergangenen Jahren waren wir der erste TV-Konzern, der in Nordamerika Mehrheitsbeteiligungen an Multichannel-Netzwerken und an einer führenden Plattform für „Programmatic Advertising“ erworben hat. Und darum endet unser neues Mission Statement auch mit dem Satz: „We have a proud past, a vibrant present and an exciting future.”

 

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